AfL-Informationsveranstaltung in Alsfeld-Eudorf

Halbzeit im Pilotverfahren
Am 1. Juli fand in Alsfeld-Eudorf eine Informationsveranstaltung der AfL Hessen statt. Hauptthema war das laufende Pilotverfahren zur Ausschreibung forstlicher Dienstleistungen bei Hessen-Forst.


Der Landesbetrieb Hessen-Forst hat 2008 ein neues Vergabeverfahren für Rückearbeiten nach Waldarbeitereinschlag und für die hochmechanisierte Holzernte entwickelt. Es sieht in beiden Fällen ein dreistufiges Verfahren vor: In einem vorgeschalteten bundesweiten öffentlichen Teilnahmewettbewerb müssen interessierte Forstunternehmen zunächst ihre fachliche Eignung nachweisen. Unternehmen, die diese Hürde nehmen, schließen eben diese Rahmenvereinbarung mit Hessen-Forst ab (mit dem Forstamt bzw. mit Hessen Forst-Technik) und werden dann vor jedem zu vergebenen Auftrag um Preisangebote gebeten. In der praktischen Anwendung stieß das Konzept auf heftigen Protest der Forst­unternehmer. In einem Pilotversuch leiteten 2008 neun der 41 Forst­ämter zunächst das Vergabeverfahren für Holzrückearbeiten nach Waldarbeitereinschlag ein. Angesichts der mittlerweile eingetretenen Wirtschaftskrise beteiligten sich sehr viele Unternehmen aus ganz Hessen und darüber hinaus am Teilnahmewettbewerb, und weil die Eignungskriterien nicht besonders streng sind, schlossen die neun Forstämter sehr viele Rahmenvereinbarungen ab. Nach Berechnungen des AfL-Vorsitzenden Klaus Wiegand hätten in den einzelnen Forstämtern für jeden Unternehmer durchschnittlich nur Auftragsmengen zwischen 1200 und 3200 Fm im Jahr zur Verfügung gestanden! Etwas später begann auch das Pilotverfahren für die hochmechanisierte Holz­ernte. In diesem Fall beteiligten sich 89 Forstunternehmen am Teilnahmewettbewerb, von denen 51 einen Rahmenvertrag erhielten. Weil das Holzvolumen in diesem Verfahren auf 200000 Fm beschränkt war, wollte Hessen-Forst die Zahl der Rahmenvereinbarungen in diesem Fall - angeblich zum Wohle der Unternehmer - auf 20 begrenzen. Das Los musste entscheiden und das tat es so, dass am Ende nur acht hessische Forst­unternehmen in den Unternehmerpool aufgenommen wurden. Bewährte, langjährige ortsansässige Partner gingen leer aus. Kurz vor der Landtagswahl beschwerte sich die AfL Hessen am 31. Dezember 2008 daraufhin mit einem Brief bei Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel. Zwei Tage nach der Wahl antwortete Dietzel und gab der AfL Hessen im Grundsatz Recht. Zwar verteidigte er das Vergabeverfahren. Er teilte jedoch auch mit, dass Hessen-Forst das Verfahren angesichts der vorliegenden ersten Erfahrungen in bestimmten Punkten modifizieren werde. Für zukünftige Vergabeverfahren werde grundsätzlich auf eine Begrenzung der Rahmenvertragspartner verzichtet, damit hessische Unternehmer nicht ausgeschlossen werden können und ihren Standort- und Wettbewerbsvorteil ausspielen könnten. Um die Anzahl der Rahmenvereinbarungen im Griff zu haben, prüfe Hessen-Forst allerdings, ob in Zukunft ein höherer Maßstab an die fachlichen Anforderungen angelegt werden müsse. Und drittens werde der Landesbetrieb in Zukunft Auftragsvolumina ab 400?000 Fm pro Jahr stückeln, die Menge also beispielsweise auf mehrere Regionen aufteilen und in diesen Regionen jeweils unabhängig voneinander Teilnahmewettbewerbe veranstalten. Wie der Minister in seinem Schreiben erläuterte, verfolge Hessen-Forst mit dem Vergabeverfahren das Ziel, besonders fachkundigen, leistungsfähigen und zuverlässigen Unternehmen verbesserte Chancen zu eröffnen. Aus diesem Grund sei auch eine Lieferantenbeurteilung Bestandteil des Verfahrens. Diese werde bei der Angebotswertung neben dem Preis ein ausschlaggebendes Gewicht (ca. 50 %) erhalten, wodurch sich greifbare Vorteile für heimische Unternehmer ergäben. Balsam für die Seele Der Brief des Ministers war natürlich Balsam für die Seele der AfL-Mitglieder. Klaus Wiegand berichtete auf der Mitgliederversammlung, dass sich die Zusammenarbeit mit Hessen-Forst seitdem wesentlich verbessert habe. Zur Halbzeit des Pilotverfahrens stellte er dennoch Forderungen zum Vergabeverfahren und für die allgemeine Zusammenarbeit vor. Wichtig ist ihm, dass das Pilotverfahren für die Holzrückung auf alle 41 Forstämter ausgedehnt wird, damit sich die Forstunternehmen nicht hessenweit auf die wenigen Pilotforst­ämter stürzen. Die Angebotseinholung solle zudem nicht mehr auf Revierebene erfolgen, sondern nur über das Forstamt. Grund dafür sind die Beschwerden der Forstunternehmer, dass die Förster scheinbar willkürlich nicht alle Pool-Unternehmen um Angebote bitten. Wiegand fordert praktikable Losgrößen, die im Quartal 500 Fm nicht unterschreiten sollten, wie dies zurzeit nicht selten der Fall sei. Der verstärkte Einsatz regionaler Unternehmen, keine Auftragsvergabe an Unternehmen ohne eigenes Personal und Technik, eine Leistungsbewertung nur im Beisein des Unternehmers und die Abrechnung nicht vereinbarter Nebenarbeiten im Zeitlohn sind weitere Punkte der umfassenden Liste, die Klaus Wiegand Hessen-Forst Mitte Juli überreicht hat. Jörg van der Heide, Sachbereichsleiter Produktion und Vermarktung bei Hessen-Forst, nahm zu den Problemen des Pilotverfahrens Stellung. Er räumte ein, dass auch die Förster nicht immer glücklich mit dem neuen Vergabeverfahren seien. "Aber wir wussten bei der Einführung natürlich nicht, dass wir in eine Wirtschaftsflaute fallen. Wir mussten den Holzeinschlag beschränken und den Forst­unternehmern gingen die Aufträge verloren", sagte van der Heide entschuldigend und kündigte an, dass die Halbzeit im Pilotverfahren dazu genutzt werde, das Vergabeverfahren zu überdenken. Geschehen sei dies bereits in einer Gesprächsrunde mit den Pilotforstämtern und Mitte Juli stehe das Thema erneut auf der Tagesordnung einer Forstamtsleiterbesprechung. Schon jetzt sei aber sicher, dass der nächste Teilnahmewettbewerb für Rückearbeiten im Frühjahr 2010 wie von der AfL gewünscht auf alle Forstämter ausgedehnt werde und das Forstamt die Preise abfragen werde. Vernünftige Losgrößen, genaue Leistungsbeschreibungen und schriftliche Arbeitsaufträge seien selbstverständlich schon allein deshalb nötig, um die Verfahren rechtssicher zu machen. "Sonst stoppen die Rechtsanwälte die Vergabe und damit ist Hessen-Forst auch nicht geholfen." Und auch sonst äußerte van der Heide viel Verständnis für die Forstunternehmer und kündigte noch etwas vage an, dass auch im hessischen Landeswald bald nur noch zertifizierte Forstunternehmer zum Einsatz kommen könnten. Das hörte Klaus Wiegand gern. Eine gewisse Unsicherheit in Bezug auf die getätigten Zusagen bleibt jedoch bestehen, denn er vermisst nach wie vor eine klare Linie bei der Betriebsleitung von Hessen-Forst.

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